Samstag, 27. Oktober 2012

MASTER LIECHTENAUER (1389) TEACHES:

"If you are fearful, never learn any art of fighting."
(Quelle: thearma. org; exzellente Fechtseite! Summa cum laude!)
BUCHTIPS FOR ALL TRUE SWORDSMEN AND SCHOLARS OF THE SWORD:

JOSEF SWETMAN: THE SCHOOLE OF THE NOBLE AND WORTHY SCIENCE OF DEFENCE, 1617.
CAPTAIN JOHN GODFREY: A TREATISE UPON THE USEFUL SCIENCE OF DEFENCE, 1747.
HANS HOLLYWARS (15. CENTURY): ÜBER DAS FECHTEN

With nightly joy,
as you will note,
the art of fencing I did promote.
With axe and halberd, staff and sword,
as it did please my royal Lord;
all done by rule and properly
so the true basis you may see.


BARTHOLOMEW ROBERTS, GENTLEMAN



ROBERTS war Gentleman und Pirat. Das Piratenhandwerk lernte er auf der ROYAL ROVER, einem Schiff des Kapitän DAVIS mit 32 Kanonen und 27 Drehbassen. (Dieser hatte übrigens sieben englische und holländische Schiffe gekapert-eine stramme Leistung!)
Von DEFOE wissen wir, daß Roberts ein großgewachsener Mann mit dunklem Teint war, der sich immer à la mode kleidete. Roberts trank keine alkoholischen Getränke, sondern Tee! Dennoch war er kein Spielverderber (D. Mitchel).
Seine erste "Amtshandlung" war die Beschießung eines portugiesischen Forts, wobei auch zwei Schiffe der Portugiesen in Flammen aufgingen. Dann segelte die ROVER nach Brasilien. Unterwegs traf man auf die portugiesische Flotte (42 Fahrzeuge+2 Kriegsschiffe mit je 70 Kanonen). Nach einer Breitseite wurde die SAGRADA FAMILIA (40 Kanonen) geentert. Der fromme Name hat ihr nichts genützt. Roberts segelte mit dem neuen Schiff auf und davon. Die Beute (und nur darum ging es vernünftigerweise) war unermeßlich (u.a. 50 000 Moidores=70 000 Pfund).
Nach so viel Arbeit machte Roberts erst einmal Ferien auf der Teufelsinsel. Von da ging es nach Westindien.
Wenige Monate später, im Juni 1720, tauchte er mit nur einer Schaluppe (60 Mann, 10 Geschütze) im Hafen von Trepanny /Neufundland auf. Die Gegenseite verfügte über 1200 Mann und 40 Kanonen. Der Gouverneur von Neuengland, wahrscheinlich ein heimlicher Roberts-Fan, schrieb, man könne dieser Tapferkeit und diesem Wagemut die Bewunderung nicht versagen.
Roberts kaperte eine Galeone mit 16 Kanonen. Er hatte jetzt 100 Mann. Vor der Küste kaperte er 10 französische Schiffe. Das beste davon übernahm er und taufte es ROYAL FORTUNE. Dafür bekam der französische Kapitän "großzügigerweise" die Galeone. Eine weitere wertvolle Prise war die SAMUEL.
Gelegentlich geriet seine Mannschaft außer Kontrolle. Nach DEFOE habe er sogar einen Seemann getötet, der ihn beleidigte. Roberts hatte auf seinem Schiff übrigens das Glücksspiel verboten, abends um 8 Uhr mußte das Licht gelöscht werden und trinken durfte man dann nur noch auf dem offenen Deck. So schafft man sich keine Freunde unter Piraten!
September 1720, Karibik: erfolgreiche Raubzüge! Der Gouverneur der französischen Antillen:
"Vom 28. bis zum 31. Oktober kaperten, verbrannen oder versenkten diese Piraten 15 französische und englische Schiffe und vor Dominica einen holländischen Eindringling mit 42 Geschützen."
Bassetere Road vor St. Kitts: Unter dem Feuer der Küstenbatterie plünderte und verbrannte Roberts einige Schiffe.
Der stellvertretende Gouverneur der britischen Antillen erhielt wenig später diesen Brief:
"Royal Fortune, 27. Sept. 1720
Gentlemen!
Ich schreibe Ihnen dieses, um Sie ausdrücklich wissen zu lassen, daß ich kein einziges Schiff in Ihrem Hafen angerührt hätte, wenn Sie, wie die guten Sitten es gebieten, zu mir gekommen wären, um mit mir und meinen Leuten ein Glas Wein zu trinken. Im übrigen war es nicht das Feuer Ihrer Geschütze, das mich abgeschreckt und gehindert hat, an Land zu kommen, sondern nur der Wind, der nicht unseren Erwartungen entsprach. Die Royal Rover haben Sie schon verbrannt und einige unserer Leue barbarisch mißhandelt. Aber jetzt haben wir ein ebenso gutes Schiff, und Sie dürfen weder jetzt noch später etwas anderes von uns erwarten als VERGELTUNG! Im übrigen, Gentlemen, der arme Kerl, den sie jetzt im Sandy Point Gefängnis haben, ist vollkommen ahnungslos, und was er besitzt, wurde ihm geschenkt. Folgen Sie daher bitte Ihrem Gewissen, und lassen Sie mich die Bitte aussprechen, daß Sie ihn wie einen ehrlichen Mann behandeln...Wenn wir etwas anderes hören, dann müssen Sie damit rechnen, daß wir niemandem auf Ihrer Insel Pardon geben werden.
Ihr Bartolomew Roberts"
Wahrlich, der Mann hatte Stil!-Die Gouverneure von Martinique und Barbados versuchten Roberts zu fangen. Dieser reagierte lediglich damit, daß er sich eine neue Flagge machen ließ, auf der er, auf zwei Totenschädeln stehend, dargestellt war.
Mai 1721: Gouverneur Spotswood läßt 54 Geschütze an der Küste von Virginia aufstellen.-Roberts segelt mehr als 2000 Meilen!
Ende 1721: Roberts besitzt eine neue ROYAL FORTUNE plus die GREAT RANGER und die LITTLE RANGER. Sie bringen insgesamt 11 Schiffe auf (vor Whydah).
Doch dann nahte das Ende in Form des englischen Kriegsschiffes SWALLOW.
Golf von Guinea, Kap Lopez, Papageieninsel: DEFOE berichtet:
"Bei diesem Gefecht war er prächtig gekleidet. Er trug Weste und Hose aus schwerem, dunkelrotem Damast, eine rote Feder am Hut, eine goldene Kette mit einem Diamantkreuz um den Hals, den Säbel in der Hand, und zwei Paar Pistolen hingen an einem seidenen Gurt, den er über die Schulter gelegt hatte...Vielleicht hätte er den Kampf unter verzweifelten Anstrengungen doch noch gewonnen, wenn er nicht von einem Kartätschenschuß direkt in die Kehle getroffen und tödlich verwundet worden wäre. Er sank auf die Vertäuung eines Geschützes nieder, und ein gewisser Stephenson eilte herbei. Er erkannte nicht sofort, daß der Kapitän verwundet war, schrie ihn an und forderte ihn auf, wie ein Mann weiterzukämpfen. Doch als er den Irrtum feststellte, brach er in Tränen aus und wünschte, vom nächsten Schuß selbst getötet zu werden."
Roberts wurde, so hatte er es selbst angeordnet, in seiner prächtigen Bekleidung über Bord geworfen. Er galt wie HOWELL DAVIS als unbesiegbar und kugelfest.
Ein fast romantisches Ende!
Oder, um mit den Piraten zu sprechen: Ein kurzes, aber lustiges Leben!
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Quelle: DAVID MITCHELL: PIRATEN-Geschichte und Abenteuer der Seeräuber auf den Weltmeeren, Wien, München, 1977, S. 126-134.
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E (Gentleman of Fortune)
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Piratenflaggen von Roberts:
Datei:Bartholomew Roberts Flag.svgDatei:Bartholomew Roberts Flag1.svg

Freitag, 19. Oktober 2012


SCHOPENHAUER 9: THE PHILOSOPHER SPEAKING (10 Wahrheiten, die es wie immer in sich haben!)

1.) An einem jungen Menschen ist es, in intellektueller und auch in moralischer Hinsicht, ein schlechtes Zeichen, wenn er im Tun und Treiben der Menschen sich recht früh zurechtzufinden weiß, sogleich darin zu Hause ist, und, wie vorbereitet, in dasselbe eintritt: es kündigt Gemeinheit an.
(Ergo: Lebenstüchtigkeit=Vulgarität! Was würde NIETZSCHE dazu sagen?-Mea sententia ist es so: Lebenstauglichkeit=gut. Wir sind nun mal ins Dasein geworfen, also müssen wir uns auch durchkämpfen. Wir haben es uns nicht ausgesucht. Es ist FATUM, sagen die einen. Andere, Zufall. Nach dem Marquis DE SADE sind wir ein Produkt der niederen Brunst unserer Erzeuger, die in dem Moment der Geilheit garantiert nicht an uns gedacht haben! Au contraire: Sie haben wie alle billigen Egoisten nur an sich und ihren kleinen Vorteil gedacht.-In einem vulgären Leben sich zurechtzufinden, ist Notwendigkeit. Dennoch bleibt es etwas Vulgäres. a dirty job, den wir nicht gewollt haben!)
2.) Die Menschen bedürfen der Tätigkiet nach außen; weil sie keine nach innen haben. Wo hingegen diese Statt findet, ist jene vielmehr eine sehr ungelegen, ja oft verwünschte Störung und Abhaltung.
(Schlimm ist es, wenn die Mächte der Trivialität und Banalität nach einem greifen, wenn man gerade in genialischen Höhen umherschweift. Glaubt mir, ich habe das oft schon erlebt; s. auch mein Epigramm "Der Tod des Propheten".)
3.) Die große Mehrzahl der Menschen ist so beschaffen, daß ihrer ganzen Natur nach, es ihnen mit Nichts Ernst sein kann, als mit Essen, Trinken und sich Begatten.
(F..., saufen, fressen!-Was ist in der Welt: Fresserei und Sauferei.-Sinngemäß nach GEILER VON KAISERSBERG.)
4.) Wenn Einer in den kleinen täglichen Vorgängen und Verhältnissen des Lebens, in den Dingen, von welchen das 'de minimis lex non curat' gilt, rücksichtslos verfährt, bloß seinen Vorteil oder seine Bequemlichkeit, zum Nachteil Anderer, sucht; wenn er sich aneignet was für Alle da ist u.s.w.; da sei man überzeugt, daß in seinem Herzen keine Gerechtigkeit wohnt, sondern er auch im Großen ein Schuft sein wird...
(Von solchen Dreckskerlen und Strolchen ist die Welt übervoll!)
5.) Gegen das Ende des Lebens geht es wie gegen das Ende eines Maskenballs, wann die Larven abgenommen werden. Man sieht jetzt, wer Diejenigen, mit denen man, während seines Lebenslaufes in Berührung gekommen war (leider! AdV), eigentlich gewesen sind...Das Seltsamste aber ist, daß man sogar sich selbst, sein eigenes Ziel und Zwecke, erst gegen Ende des Lebens eigentlich erkennt und versteht...
(Leider kommt man immer erst  dann auf den "Trichter", wenn es zu spät ist.)
6.) ...daß alle Tiere in ihrer natürlichen Gestalt umhergehen, was viel beiträgt zu dem so erfreulichen Eindruck ihres Anblicks...während der Mensch durch die Kleidung zu einem Fratz, einem Monstrum geworden ist, dessen Anblick schon dadurch widerwärtig ist, und nun gar unterstützt wird durch die ihm nicht natürliche weiße Farbe, und durch alle die ekelhaften Folgen widernatürlicher Fleischnahrung, spirituoser Getränke, Tabaks, Ausschweifungen und Krankheiten. Er steht da als ein Schandfleck in der Natur!-Die Griechen beschränkten die Kleidung möglichst, weil sie es fühlten.
(Keine gute Werbung für Modeheinis und Klamottengeschäfte!-Jeden Tag muß ich leider zahllose mißglückte und groteske Exemplare der Spezies "Homo" sehen (Kategorie: ästhetisch grausam). Da genügt schon ein Blick aus dem Fenster, was man lieber nicht zu oft tun sollte. Gutgemeinter Rat von mir. Denn da draußen wimmelt es von Otto-Dix-Gestalten und Hieronymus-Bosch-Krüppeln, die Irren und Bekloppten nicht dazugerechnet.)
(OSCAR WILDE wurde einmal getadelt, als er halbnackt, mit einem Laken bekleidet, mit Freunden auf dem Campus der Universirät picknickte. Seine Antwort: Sie sehen hier eine vollständig griechische Szene.)
7.) Verdammen wir nun sein Wesen ganz und gar; so bleibt ihm nichts übrig, als in uns einen Todfeind zu bekämpfen: denn wir wollen ihm das Recht zu existieren nur unter der Bedingung zugestehn, daß er ein Anderer werde, als er unabänderlich ist.
(Und willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich dir den Schädel ein! Hierin liegt auch die Ursache vieler Vater-Sohn Konflikte, also daß die Söhne den Alten hassen und umgekehrt. Happy family!)
8.) Das Mittel, durch welches Jeder sich Jedem gleich setzen und selbst die größte intellektuelle Ungleichheit augenblicklich ausgleichen kann: ist die Beleidigung. Zu dieser fühlt daher die niedrige Natur eine sogar instinktive Aufforderung, sobald sie geistige Überlegenheit zu spüren anfängt.
(Und niedrige Naturen gibt es en masse. sie sind leider oder zum Glück in der Überzahl.)
9.) Für sein Tun und Lassen darf man keinen Andern zum Muster nehemen...Man muß, nach reiflicher Überlegung und scharfem Nachdenken, seinem eigenen Charakter gemäß handeln.
(Werdet Autonomisten! Seid euch selbst Richtschnur. Das Genie setzt sich seine Regeln selbst.)
10.) Und andrerseits, wenn man alle erbärmlichen Wichte hassen wollte, da hätte man viel zu tun.
(Ja, stimmt.)
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E.

Sonntag, 14. Oktober 2012

CONDÉ war ein netter Mann



Louis II de Bourbon, prince de, dit le Grand Condé, wurde in Paris am 8. Sept. 1621 geboren. Nach Napoleon war er der größte Feldherr Frankreichs. Er wird zusammen mit Turenne und Hoche genannt.
Am 19. Mai 1643 siegte er über die Spanier bei Rocroi "par une vigoureuse offensive". Dazu Zedler, Universallexikon von 1742:
"Ludewig (sic!) de Bourbon, Herzog von Angnien (=le duc d'Enghien), erhielt hieselbst den 19. May 1643, 6 Tage nach Ludwigs XIII Tode, einen berühmten Sieg wider die Spanier...wobey von spanischer Seite bey nahe 7000 Mann auf dem Platze blieben..."
Daneben führt Zedler diese witzig-makabre Begebenheit an:
"Der Graf von Fuentes, einer von den Spanischen Generalen, kam hierbei auch um, und zwar auf seiner offenen Chaise, darinnen er sich wegen des Podagra hatte in die Schlacht tragen lassen..."
Um 10 Uhr morgens war die Sache vorbei. Für Unterhaltung war jedenfalls gesorgt.
Condé war übrigens der einzige General, der für einen vierjährigen König am vierten Tag seiner Regierung einen Sieg erfochten hat. Diese Schlacht hatte Ludwig auf dem Sterbebett vorausgesehen. Ein weiterer entscheidender Sieg gelang bei Lens (20. Aug. 1648).
Mit 27 war Condé dreifacher Statthalter und sechsfacher Herzog.
Condé hatte ein hageres Adlergesicht, eine riesige Hakennase und einen wilden Blick. Er war relativ klein, bebte aber vor Energie. Condé war cholerisch, stolz, streitsüchtig, eigensinnig, kurzum, er hatte ein "tempérament delicat" (La Grande Encyclopédie). So verfing sich einmal der Stab eines Türstehers in seinem langen Haar. Condé zerbrach den Stab und verprügelte ihn damit.
Den Kardinal Mazarin verachtete er wegen seines Mangels an körperlichen Mut ("verdammter Sizilianer"!).
Dem jungen Ludwig XIV. schärfte Mazarin ein, immer "je veux" zu sagen, wenn der schwierige Cousin etwas bemerkte.
1650 wurde Condé im königlichen Rat verhaftet. Beinahe hätte es einen Kampf gegeben.
Seine Reaktion war ganz typisch für ihn:
"Gegen meinen Willen ziehe ich jetzt meinen Degen, und ich werde der letzte sein, der ihn in die Scheide steckt."
Condé entfesselte in alter Freundschaft einen kleinen Bürgerkrieg und brannte ein Rathaus nieder. An einem heißen Sommertag kämpfte er mit blutigem Hemd und verbeultem Panzer in Paris.
1660 mußte er, was ihm sicher schwer gefallen ist, Frieden schließen:
"Was blieb mir anderes übrig, wenn ich mich nicht auf meine Güter zurückziehen und Hasen jagen wollte."
Einmal entschuldigte sich der gealterte Condé für seine Langsamkeit, als er in Versailles eine Treppe hinaufstieg. Darauf Ludwig: "Cousin, jemand, der eine solche Last von Lorbeeren trägt, muß notwendigerweise langsam gehen." Condé war an nahezu allen militärischen Operationen seiner Zeit beteiligt.
1686 legte Condé endgültig den Degen aus der Hand.
(Zu Rocroi und Lens: Dictionaire du Grand Siécle; zu Condé gibt es meines Wissens ein Werk mit dem treffenden Titel "Condé ou l'orgeuil"; eine Recherche der Unibibliothek Mannheim nach diesem Buch auch im Ausland war nicht erfolgreich.)sss
by Erec

SAMURAI


Toshiro Mifune als Musashi

Alle kennen MUSASHI MIYAMOTO (1584-1645), Sieger in 60 Duellen (vgl. auch den Film mit TOSHIRO MIFUNE sowie den Roman von EIJI YOSHIKAWA!). Er wurde nicht einmal besiegt!
Er duellierte sich u.a. mit KEMPO YOSHIOKA. Schließlich schrieb er ein Buch über geistige Disziplin.


Kempo Yoshioka (auch: Kembo Yoshioka)

Doch es gab weit mehr berühmte Kämpfer und Fechtmeister. In dem lesenswerten KENDO-Buch von SASAMORI findet sich eine ganze Liste von Männern des Schwertes aus dem alten Japan.
Es begann mit der Fechtschule des SHIGENOBU HAYASHIZAKI (Ende 13. Jh.) und dessen Schüler HISAYASU KATAYAMA (Kunst, Schwert schnell zu ziehen). Es folgten viele berühmte und tapfere Männer:
1.) CHOISAI IIZASA (Begründer): später buddhistischer Priester
2.) KUNIMATSU NO MAHITA
3..) ITTOSAI ITO (größter Fechter der MUROMACHI-EPOCHE: 1336-1568
4.) BUNGORO HIKIDA (1437-?): diente einem Lehnsherrn in KYUSHU und lebte unter verschiedenen Namen
5.) IKO AISU (1452-1538): zog sich schließlich in eine Höhle zurück!
6.) BOKUDEN TSUKAHARA (1490-1572): ging später in die Berge; Selbstbetrachtungen und Studien
7.) MUNEYOSHI YAGYU (1527-1606): Fechtmeister des SHOGUN (wird man auch nicht alle Tage!)
8.) MUNENORI YAGYU (sein Sohn; 1571-1646): wurde nach der Schlacht von SEKIGAKARA Lehnsherr (scheint sich gelohnt zu haben; viele Romane, Filme)
9.) TSUNEKAGA HASEKURA (1571-1622): reiste nach Spanien und Italien; Audienz bei PHILIPP III. und PAPST. Er trug dabei seine Schwerter! (Ob der PAPST wohl Angst hatte?)
10.) IZU NO KAMI JINGO
11.) KAZUYASU BAN
13.) MIYAMOTO MUSASHI (s.o.)
14.) GANRYU SASAKI: von MUNISAI SHIMMEN besiegt, den er später ermordete (war wohl ein wenig nachtragend). Dann tötete MUSASHI den SASAKI. Am Ende waren alle tot (bis auf MUSASHI natürlich, denn der gewann immer!).
(berühmtes Duell am Strand von GANRYU-JIMA in KYUSHU)
15.) MATAEMON ARAKIS (1594-1637): in Vendetta verwickelt
16.) MITSUYOSHI YAGYU (1607-1637): Seine Taten s. den Roman "YAGYUS REISETAGEBUCH"
17.) MASAYUKI HOSHINA (1611-1672)
18.) HIKOZO HIRATA (1626-?): stellte Schutzvorrichtungen her
19.) KURANDO MARUME
20.) YAGYU TAJIMA NO KAMI
21.) ZESUIKEN IBA
22.) KANSHIN TERANISHI
23.) TADAAKI ONO (gest. 1708)
24.) CHUZO NAKANISHI (18. Jh.): Entwurf für das DO (=Brustpanzer)
25.) SUSUMU OISHI: 2, 10 m langes SHINAI! (dann 96/99 cm, unter 3 Pfund)
 BUSHIDO: Dies war der Lebensstil der SAMURAI, die Seele des alten Japan. Hierbei handelte es sich um den Ehrenkodex des Kriegers (lebenslanges Training, Vervollkommnung, ritterliche Ideale, Einfachheit, Sparsamkeit, Tapferkeit, Tatkraft, Handeln ohne Erklärung (Wahlspruch: Denken und Handeln sind eins!), schnelle Bereitschaft, Pflicht, Ehre.)- Die SAMURAI formten sich während der NARA-UND HEIAN-EPOCHE. Ursprünglich kamen sie aus dem Bauernstand, doch bald folgte ihr gesellschaftlicher Aufstieg.
KENJUTSU: wurde zu einem vollentwickelten System (NAGAKIDE CHUJO; 1380).
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E. (Banzai!)


Dienstag, 9. Oktober 2012

SCHOPENHAUER 8: the philosopher speaks! (10 more thoughts)

1.) Sämtliche Systeme sind Rechnungen, die nicht aufgehen: sie lassen einen Rest...
(Alles nix! Also am besten kein System.)
2.) Übrigens aber ist es billig, mir, als einem Mann des Ernstes, zu gestatten, daß ich nur von Dingen rede, die ich wirklich kenne...und VAUVENARGUES ganz Recht hat, zu sagen: la clarté est la bon foi des philosophes.
(An alle, die sich nebulös ausdrücken. Perspicuitas als rhetorische virtus.)
3.) Ich habe demnach nicht die Welt aus dem Unbekannten erklärt; vielmehr aus dem Bekannten...
(Wie z.B. die Theologen. Bloß gut, daß man nichts beweisen muß.)
4.) Dieses Unerklärliche fällt der Metaphysik anheim.
(Von mir aus! Geht in Ordnung.)
5.) ...das Bedingtsein der objektiven Welt durch den Intellekt, woran sich auch noch die a priori gewisse Anfangslosigkeit sowohl der Kausalreihe, wie der Materie knüpft, benehmen der Physik alle Selbständigkeit...
(Die Physiker können einpacken! Kratzen eh nur an der Oberfläche.)
6.)...dann werden wir zuvörderst inne, daß alle menschliche Kunst nicht bloß dem Grade, sondern der Art nach vom Schaffen der Natur völlig verschieden ist; nächstdem aber, daß die wirkende Urkraft, die NATURA NATURANS, in jedem ihrer zahllosen Werke , im kleinsten wie im größten, im letzten wie im ersten, ganz und ungeteilt unmittelbar gegenwärtig ist...
(Auch im Regenwurm! Sogar in meinen Schülern!)
7.)... so leitet auch Dieses (sic) uns auf die Einsicht hin, daß die Vielheit der Dinge ihre Wurzel in der Erkenntnisweise des Subjekts hat, dem Dinge an sich aber, d.h. der innern sich darin kund gebenden Urkraft, fremd ist; daß mithin Raum und Zeit, auf welchen die Möglichkeit aller Vielheit beruht, bloße Formen unserer Anschauung sind...
(Vielheit=Illusion?)
8.) Aus meiner Lehre folgt, daß jedes Wesen sein eigenes Werk ist. Die Natur, die nimmer lügen kann und naiv ist wie das Genie, sagt geradezu das Selbe aus...
(nur die Kunst "lügt")
9.) Wie die zerstäubenden Tropfen des tobenden Wasserfalls mit Blitzeschnelle wechseln, während der Regenbogen, dessen Träger sie sind, in unbeweglicher Ruhe feststeht, ganz unberührt von jenem rastlosen Wechsel; so bleibt die IDEE, d.i. jede Gattung lebender Wesen, ganz unberührt vom fortwährenden Wechsel ihrer Individuen. Die IDEE aber, oder die Gattung, ist es, darin der Wille zum Leben eigentlich wurzelt und sich manifestiert...
(die Ideen=Wesenheiten, die von Ewigkeit zu Ewigkeit bestehen; s. auch PLATON: Ideenlehre!)
10.)...KANT lehrt, was wir erkennen, bloße Erscheinungen sind, deren Formen und Gesetze sich nicht auf die Dinge an sich selbst erstrecken...
(Die Dinge an sich bleiben uns für immer verschlossen. Sie entziehen sich uns. Wir können sie nur ex negativo bestimmen. Sie sind vermutlich die tiefsten Schichten des Seins, die höchsten Wesenheiten, fernab vom beschränkten Hier und Jetzt.)
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E.


SCHOPENHAUER 7: Old Schopi spricht (10 new statements of the great thinker)

1.) Die Frage, ob die Welt dem Raume nach begrenzt oder unbegrenzt sei...A priori gibt es hier kein demonstrabel sicheres Argument, weder für die eine noch die andere Alternative; so daß die Sache wirklich einer ANTINOMIE sehr ähnlich sieht, sofern, bei der einen, wie der andern Annahme, bedeutende Übelstände sich hervortun.
(Nichts Genaues weiß man nicht. Doch halt! EINSTEIN hat die Lösung: Unbegrenzt, aber endlich. Vergleichbar mit der Oberfläche einer Kugel. Es gibt die Theorie vom in sich selbst zurücklaufenden Raum. In einem solchen Raumgebilde könnte man seinen Hinterkopf sehen, naja, rein theoretisch.)
2.) Aber die Materie selbst ist bloß die Wahrnehmbarkeit der Erscheinungen des Willens...und es gibt keine Materie ohne Willensäußerung.
(Man könnte auch sagen: Materie ist erstarrte Energie...und da wären wir wieder bei EINSTEIN und seiner berühmten Formel.)
3.) Zwar sind wir, in Folge unserer Relation mit der Außenwelt, gewohnt, als unser eigentliches Selbst das Subjekt des Erkennens, das erkennende Ich zu betrachten...Dieses ist jedoch die bloße Gehirnfunktion und nicht unser eigenstes Selbst. Unser wahres Selbst, der Kern unsers (sic) Wesens, ist Das (sic), was hinter jenem steckt und eigentlich nichts Anderes kennt, als wollen und nichtwollen (sic)...Dies ist Das, was jenes Andere hervorbringt...
(Leider ist die Gehirnfunktion bei den meisten stark herabgesetzt. Das macht aber nichts!)
4.) Die jenseits der Erscheinung liegende Einheit jenes Willens, in welchem wir das Wesen an sich der Erscheinungswelt erkannt haben, ist eine metaphysische, mithin die Erkenntnis derselben transzendent, d.h. nicht auf den Funktionen unsers (sic) Intellekt beruhend und daher mit diesen nicht eigentlich zu erfassen.
(Also: Beim Ding an sich gilt: hands off!)
5.)...daß Das, was KANT als das Ding an sich der bloßen Erscheinung, von mir entschiedener Vorstellung genannt, entgegensetzte und für schlechthin unerkennbar hielt, daß, sage ich, dieses Ding an sich, dieses Substrat aller Erscheinungen, mithin der ganzen Natur, nichts anderes ist, als jenes uns unmittelbar Bekannte und sehr genau Vertraute, was wir im Innern unseres eigenen Selbst als Willen finden...von dieser (der Erkenntnis), die ganz sekundär und spätern (sic) Ursprungs ist, grundverschieden und völlig unabhängig ist, folglich auch ohne sie bestehn und sich äußern kann...
(Hier wird Schopenhauer etwas dogmatisch. Der Intellekt: etwas Sekundäres, bei den meisten bestenfalls tertiär oder unter ferner liefen!- Doch dies sollten sich die allzu Vergeistigten  vor Augen halten: Wir sind nicht dazu geschaffen, den ganzen Tag zu denken, sondern ursprünglich dazu, zu arbeiten und zu kämpfen oder eine Woche hinter einem Großwild herzurennen.)
6.) ...daß hingegen die Erkenntnis und ihr Substrat, der Intellekt, ein vom Willen gänzlich verschiedenes, bloß sekundäres, nur die höhern (sic) Stufen der Objektivation des Willens begleitendes Phänomen sei, ihm selbst unwesentlich..
(Der Wille ist also "das ganz Andere". Der Wille ist blöd!))
7.)...also nicht, wie man bisher ohne Ausnahme annahm, Wille durch Erkenntnis bedingt sei; wiewohl Erkenntnis durch Wille.
(Aha!)
8.) Daß der Wille das Primäre und daher von der Erkenntnis, mit welcher, als dem Sekundären, erst das Bewußtsein eintritt, unabhängig sei...
9.) Von der Erkenntnis, oder Vorstellung, haben die Pflanzen bloß ein Analogon, ein Surrogat; aber den Willen haben sie wirklich und ganz unmittelbar selbst: denn er, als das Ding an sich, ist das Substrat ihrer Erscheinung, wie jeder.
(Ist der Wille auch in einer Blechdose?)
10.)...daß nämlich das Wesen an sich seiner eigenen Erscheinung...sein Wille ist, der das Unmittelbarste seines Bewußtseins ausmacht, als solches aber nicht völlig in die Form der Vorstellung, in welcher Objekt und Subjekt sich gegenüber stehen, eingegangen ist; sondern auf eine unmittelbare Weise, in der man Subjekt und Objekt nicht ganz deutlich unterscheidet, sich kund gibt...
(Der Wille=Indifferenz? Meine Schüler sind zwar auch indifferent, jedoch in einem anderen Sinne, haben aber meist wenig Wille.)
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E.

Samstag, 6. Oktober 2012

SCHOPENHAUER 6: SO IST DIE WELT! (diesmal 10 Wahrheiten)

1.) über das WESEN AN SICH (was auch immer das ist):
...welches wir vielmehr, wenn man jene Erkenntnisformen, wie das Glas aus dem Kaleidoskop, wegziehn (sic) könnte, zu unserer Verwunderung als ein einziges und bleibendes vor uns haben würden, als unvergängliches, unveränderlich und, unter allem scheinbaren Wechsel, vielleicht sogar bis auf die ganz einzelnen Bestimmungen herab, identisch.
(Verstellen uns gar unsere Erkenntnisformen den Blick auf das wahre Wesen des Seins?)
2.) Dazu paßt folgender Satz:
Das wahrhaft Reale ist von der Zeit unabhängig, also in jedem Zeitpunkt Eines und das Selbe.
(Da wir von der Zeit abhängig sind, sind wir also nicht wahrhaft real! Den Satz kann man auch als Ausrede für Unpünktlichkeit mißbrauchen. Der wahrhaft Reale ist zeitunabhängig. Dem Glücklichen schlägt keine Stunde! Doch Pünktlichkeit ist des Soldaten Zier...doch weiter kommt man "ohne ihr".)
3.) Die Zeit ist die Anschauungsform unsers (sic) Intellekts und daher dem Dinge an sich fremd.
(Das Ding an sich hat keine Uhr (Rollex z.B.). Uhren haben nur die armen Sterblichen, die Knechte der Zeit, teure Uhren nur die Knechte des Geldes und der Eitelkeit.)
4.) Alle Anschauung ist eine intellektuale. Denn ohne den Verstand käme es nimmermehr zur Anschauung, zur Wahrnehmung, Apprehension von Objekten; sondern es bliebe bei der bloßen Empfindung...
(Alles wird vom Gehirn verarbeitet. Das Resultat: Die Welt, wie sie uns vorgestellt wird.)
5.) Der Begriff der TRANSZENDENTALPHILOSOPHIE nach KANT:
...etwa in folgender Art. Daß die ganze Welt uns nur auf eine sekundäre Weise, als Vorstellung, Bild in unserm Kopfe, Gehirnphänomen, hingegen der eigene Wille uns im Selbstbewußtsein, unmittelbar gegeben ist; daß demnach eine Trennung, ja ein Gegensatz, zwischen unserm eigenen Dasein und dem der Welt stattfindet.-Dies ist eine bloße Folge unserer individuellen und animalischen Existenz, mit deren Aufhören es daher wegfällt. Bis dahin aber ist es uns unmöglich, jene Grund-und Urform unsers (sic) Bewußtseins, welche Das (sic) ist, was man als das Zerfallen in Subjekt und Objekt bezeichnet, in Gedanken aufzuheben; weil alles Denken und Vorstellen sie zur Voraussetzung hat: daher lassen wir sie stets als das Urwesentliche und die Grundbeschaffenheit der Welt stehn und gelten; während sie in der Tat nur die Form unsers (sic) animalischen Bewußtseins und der durch dasselbe vermittelten Erscheinungen ist.
(Langer Satz von "Old Schopi"! Also: Welt aus zweiter Hand-vom Hirn erzeugt-Subjekt-Objekt-Spaltung bedingt durch unser Eintreten in eine individuelle Existenz-nach der Exitenz (post mortem) Ende der Subjekt-Objekt-Spaltung-bis dahin kommt man nicht drum herum, da alles Denken darauf basierend-unaufhebbar (da man sonst Voraussetzungen des Denkens aufheben würde; da man dies aber durch einen Gedanken tun würde, ergibt sich ein Widerspruch (contradictio))-Urform unseres Denkapparats-Form unseres animalischen Bewußtseins-Welt dadurch vermittelt.-
Unser animalischen Bewußtsein ist m.E. ein unzureichendes Organon, um die Welt abzuspiegeln. Vielleicht ist es daher auch mit der Welt nicht so weit her...bei so einem Bewußtsein! Arme Welt, die sich in den beschränkten Köpfen ihrer Bewohner darstellt!)
6.) Dies ist der Sinn des Kantischen Ausdrucks: alle solche Fragen sind transzendent... Denn dies sind Probleme, welche mit Aufhebung unsers (sic) zerebralen Bewußtseins und des auf ihm beruhenden Gegensatzes gänzlich wegfallen und doch, als wären sie unabhängig davon, aufgestellt werden. (Da fällt mir ein Stein vom Herzen, nochmal Glück gehabt!)
7.) Wer z.B. frägt (sic), ob er nach seinem Tode fortdaure, hebt, in hypothesi, sein animalisches Gehirnbewußtsein auf; frägt jedoch nach Etwas (sic), das nur unter Voraussetzung desselben besteht, indem es auf der Form desselben, nämlich Subjekt, Objekt, Raum und Zeit, beruht; nämlich nach seinem individuellen Dasein.
(Existenz ist ein irdischer Begriff wie Leben etc., folglich ist es nicht legitim von dem Zustand danach als Existenz oder "ewiges Leben" zu sprechen, da man diesseitige Begriffe auf Transzendentes anwenden würde, was, philosophisch gesehen, nicht o.k. ist.)
8.) Eine Philosophie nun, welche alle diese Bedingungen und Beschränkungen als solche zum deutlichen Bewußtsein bringt, ist transzendental und, sofern sie die allgemeinen Grundbestimmungen der objektiven Welt dem Subjekt vindiziert, ist sie TRANSZENDENTALER IDEALISMUS.
("Transzendental", nicht "transzendent" notabene!)
9.) Worauf beruht alle Vielheit und numerische Verschiedenheit der Wesen?- Auf Raum und Zeit: durch diese allein sind sie möglich...so nenne ich Raum und Zeit, in der Hinsicht, daß sie die Vielheit möglich machen, das PRINCIPIUM INDIVIDUATIONIS...
(Ohne Raum und Zeit gäbe es uns nicht. Wäre vielleicht gar nicht so schlecht! Wenn wir dann "ad penates" gehen, gibt es Raum und Zeit für uns nicht mehr. Auch gut!)
10.) Holt mir einen Bauern vom Pfluge, macht ihm die Frage verständlich, und er wird euch sagen, daß, wenn alle Dinge am Himmel und auf Erden verschwänden, der Raum doch stehn (sic) bliebe, und daß, wenn alle Veränderungen am Himmel und auf Erden stockten, die Zeit doch fortliefe.
(Ein Bauer soll pflügen und nicht philosophieren!)
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ad 8) vindicare=beanspruchen
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EREC

Dienstag, 2. Oktober 2012

SCHOPENHAUER 5: EWIGE WAHRHEITEN (15 noch edlere Zitate):

1.) Die Richtung der Andern (=die Nicht-Philosophen) aber ist darauf zurückzuführen, daß sie überhaupt in den Dingen stets nur das Einzelne und Individuelle sehn, nicht das Allgemeine derselben. Bloß die höher Begabten sehn, mehr und mehr, je nach dem Grad ihrer Eminenz, in den Einzelnen Dingen das Allgemeine derselben.
(Das sieht man besonders in den sog. Alltagsgesprächen, die oft auf einer ganz niederen Ebene verlaufen, die schwerlich zu unterbieten ist, worin sich eben die völlige Unfähigkeit der "plebs" zu Sachthemen und Abstraktion widerspiegelt. Da ich (wie einst Freund Schopenhauer) im Erdgeschoß wohne, muß ich mir leider jeden Tag solche völlig enthirnten Gespräche anhören , die direkt vor meinem offenen Fenster geführt werden. Übrigens: Je blöder, desto lauter!)
2.) Der innerste Kern jeder echten und wirklichen Erkenntnis ist eine Anschauung...darum ist die Phantasie ein so notwendiges Werkzeug derselben, und werden phantasielose Köpfe nie etwas Großes leisten,-es sei denn in der Mathematik.
(Einige meiner Kommilitonen waren solche "phantasielosen Köpfe", "sans genie et sans ésprit", würde Nietzsche sagen. Einer dieser Erbsenzähler nervte ganz besonders mit Numismatik.)
3.) Weder unsere Kenntnis, noch unsere Einsichten werden jemals durch Vergleichen und Diskutieren des von Andern Gesagten sonderlich vermehrt: denn das ist immer nur, wie wenn man Wasser aus einem Gefäß in ein anderes gießt. Nur durch eigene Betrachtung der Dinge selbst kann Einsicht und Kenntnis wirklich bereichert werden...
(Also: im Selbstdenken liegt das Heil!)
4.)...immer bleibt für die Kunst der Begriff unfruchtbar...
5.) Sogar bei ziemlich gleichem Grade der Bildung gleicht die Konversation zwischen einem großen Geiste und einem gewöhnlichen Kopfe der gemeinschaftlichen Reise eines Mannes, der auf einem mutigen Rosse sitzt, mit einem Fußgänger. Beiden wird sie bald höchst lästig und auf die Länge unmöglich.
(Gegenmittel: Soliloquia!-Sind eh ergiebiger!-Das ist wohl auch der Grund, warum meine Lateinschüler nach der Stunde fluchtartig aus meinem Gelaß fliehen.)
6.)... allezeit und überall, in allen Lagen und Verhältnissen, haßt Beschränktheit und Dummheit nichts auf der Welt so inniglich und ingrimmlich, wie den Verstand, den Geist, das Talent. Daß sie hierin sich stets treu bleibt, zeigt sie in allen Sphären, Angelegenheiten und Beziehungen des Lebens, indem sie überall jene zu unterdrücken, ja, auszurotten und zu vertilgen bemüht ist, um nur alleine dazusein...Und welche furchtbare Majorität hat sie dabei auf ihrer Seite!. Dies ist ein Haupthindernis der Fortschritte der Menschen in jeder Art.
(Wie singen doch die "Toten Hosen" so treffend: Die meisten sind häßlich und haben nicht einmal Abitur!-Ich sage: Gott bewahre mich vor dialektsprechenden Hauptschülern und vor verblödeten alten Weibern und nicht minder beschränkten alten Rentnern!)
7.) Um originelle, außerodentliche, vielleicht gar unsterbliche Gedanken zu haben, ist es hinreichend, sich der Welt und den Dingen auf einige Augenblicke so gänzlich zu entfremden, daß Einem die allergewöhnlichsten Gegenstände und Vorgänge völlig neu und unbekannt erscheinen, als wodurch eben ihr wahres Wesen sich aufschließt. Das hier Geforderte ist aber nicht etwa schwer; sondern es steht gar nicht in unserer Gewalt und ist eben das Walten des Genius.
(Einige werden sicher schon einmal die Erfahrung gemacht haben, daß eine Inspiration über sie kommt, sozusagen "superno dono". Das sind dann die wahren Momente im Dasein. Den meisten allerdings fällt nichts ein und dies lebenslänglich. Warum braust der Strom des Genies so selten, fragt unser Goethe.)
8.) Unser erkennendes Bewußstsein, als äußere und innere Sinnlichkeit (Rezeptivität), Verstand und Vernunft auftretend, zerfällt in Subjekt und Objekt, und enthält nichts außerdem. Objekt für das Subjekt sein, und unsere Vorstellung sein, ist das Selbe. Alle unsere Vorstellungen sind Objekte des Subjekts, und alle Objekte des Subjekts sind unsere Vorstellungen.
(Damit ist alles gesagt.)
9.) Die Anschauung, d.h. die Apprehension einer objektiven, den Raum in seinen drei Dimensionen ausfüllenden Körperwelt, entsteht durch den Verstand, für den Verstand, im Verstande, welcher, wie auch die ihm zum Grunde liegenden Formen Raum und Zeit, die Funktion des Gehirns ist.
(Was macht man aber ohne Verstand?)
10.) Die Welt als Vorstellung hat zwei wesentliche, notwendige und untrennbare Hälften. Die eine ist das Objekt: dessen Form ist Raum und Zeit, durch diese die Vielheit. Die andere Hälfte aber, das Subjekt...verschwände aber auch jenes einzige; so wäre die Welt als Vorstellung nicht mehr. Diese Hälften sind daher unzertrennlich, selbst für den Gedanken: denn jede von beiden hat nur durch und für die andere Bedeutung und Dasein, ist mit ihr da und verschwindet mit ihr. Sie begrenzen sich unmittelbar: wo das Objekt anfängt, hört das Subjekt auf. Die Gemeinschaftlichkeit dieser Grenze zeigt sich eben darin, daß die wesentlichen und daher allgemeinen Formen alles Objekts, welche Zeit, Raum, Kausalität sind, auch ohne die Erkenntnis des Objekts selbst, vom Subjekt ausgehend gefunden und vollständig erkannt werden können, d.h. in Kants Sprache, a priori in unserm Bewußtsein liegen. Diese entdeckt zu haben, ist ein Hauptverdienst KANTS und ein sehr großes.
(Es ist alles im Kopf!- Die Welt=meine Vorstellung (so lautet die Formel). Alles ist uns auf diesem Wege gegeben. Keiner kann etwas nennen, was keine Vorstellung ist, außer das DING AN SICH, und das hat noch keiner gesehen (ich jedenfalls nicht).-Dies ist die Position des IDEALISMUS (wie sie seit PLATON existiert; s. auch das "Höhlengleichnis"): Alles ist Wahrgenommenwerden. Den Idealismus auf die Spitze getrieben hat der bishop GEORGE BERKELY: ESSE EST PERCIPI=SEIN IST WAHRGENOMMEN WERDEN!)-
11.) Wie unser Auge es ist, welches Grün, Rot und Blau hervorbringt, so ist es unser Gehirn, welches Zeit, Raum und Kausalität (deren objektiviertes Abstraktum die Materie ist) hervorbringt.-Meine Anschauung eines Körpers im Raum ist das Produkt meiner Sinnes-und Gehirn-Funktion mit x.
12.) Einen Beweis für den SATZ VOM GRUNDE insbesondere zu suchen, ist überdies eine spezielle Verkehrtheit, welche von Mangel an Besonnenheit zeugt.
(Das wäre etwa, wie wenn man nach der Kausalität der Kausalität sucht.)
13.) Der Satz vom Grunde ist das Prinzip aller Erklärung...Diesem gemäß ist der Satz vom Grunde selbst...nicht weiter erklärbar; weil es kein Prinzip gibt, das Prinzip aller Erklärung zu erklären, -oder wie das Auge Alles sieht, nur sich selbst nicht.
(So ist es!)
14.) Der TRANZENDENTALE IDEALISMUS macht der vorliegenden Welt ihre EMPIRISCHE REALITÄT durchaus nicht streitig, sondern besagt nur, daß diese keine unbedingte sei, indem sie unsere Gehirnfunktionen, aus denen die Formen der Anschauung, also Zeit, Raum und Kausalität entstehn, zur Bedingung hat.
15.) ...wir aber wissen, daß nur mittelst der Anschauungsformen des Raumes die Vielheit, und mittelst der der Zeit das Vergehen und Entstehen möglich sei, so erkennen wir, daß ein solcher Hergang keine absolute Realität habe, d.h. daß er dem in  jener Erscheinung sich darstellenden Wesen an sich selber nicht zukomme...
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E.